Mittwoch, 3. Mai 2017

Im Bann der grauen Nebel Teil 1

Diese Geschichte schrieb ich 2011, nachdem mich einiges zu diesem Thema inspiriert hatte.

Im Bann der grauen Nebel

Alles begann mit der unheimlichen Statue. Jeden Tag ging Aimee durch den kleinen Park, in dessen Mitte eine eiserne Statue stand. Sie durchquerte ihn, wenn sie zur Schule ging, auf dem Weg zum Einkaufen war oder die Bushaltestelle erreichen. Täglich ging sie zuerst über den kleinen Pfad, dann über den breiten Sandweg, der zwischen ein paar Bäumen längs führte, und dann an der Statue vorbei zur Straße. Die Statue stellte eine Frau in einem weiten Umhang dar, deren langen Haare fast bis zur Hüfte reichten. Aimee wusste nicht viel über diese Statue, sie hatte nur mal das kleine Messingschild gelesen, auf dem stand Die dunkle Hexe von Arug. Aber sie machte sich nie viele Gedanken darüber, außerdem ging sie so oft an der Statue vorbei, dass sie sie gar nicht mehr wahrnahm. Da ahnte sie noch nicht, dass sich das bald ändern würde.

An einem Tag stand Aimee morgens auf und stellte als allererstes fest, dass sich ihre Füße wie Eisklumpen anfühlten. Kein gutes Zeichen, fand sie. „Nimm einen Regenschirm mit, Liebes“, sagte Mama, nachdem sie aus dem Fenster geschaut hatte und Aimee sich gerade auf dem Weg zur Haustür befand. „Es schüttet wie aus Eimern, sieh dir das mal an! Das ist ja unglaublich!“
Wenig später rannte Aimee mit triefend nassem Haar durch den Park, während sie mit dem Regenschirm kämpfte, der sich durch den starken Wind immer wieder umkrempelte und ihr so überhaupt keine große Hilfe war. Am besten wäre es gewesen, gleich zuhause zu bleiben und sich mit einer Tasse heißen Kakao aufzuwärmen. Stattdessen lief sie hier durch den Regen, bis auf die Knochen durchnässt. Die Bäume zogen an ihr vorbei und schließlich auch die Statue, die Aimee im Grunde gar nicht mehr sah. Doch heute war es anders. Heute sah sie die Statue auf eine Art, wie sie es noch nie getan hatte. Eigentlich warf sie nur einen Blick darauf. Die eiserne Frau mit der Kapuze blickte in die Ferne, während der Regen ihr übers Gesicht rann. Es sah fast aus, als weinte sie. Doch Aimee war sich sicher, dass die Tränen nicht nur traurig und voller Schmerz wirkten, sondern auch voller Hass. Plötzlich blieb sie stehen und warf einen zweiten Blick auf die Statue, da sie nicht glauben konnte, solch einen Ausdruck in den Blick einer belanglosen Statue zu deuten. Es war doch bloß eine Statue!
 Trotzdem fühlte sich Aimee ganz seltsam, als sie das Gesicht der Kapuzengestalt betrachtete: Sie hatte das Gefühl, die Statue blickte sie direkt an, während der Regen über ihre Wangen lief. Aimee blickte sich um: Es war der Park, durch den sie jeden Tag ging. Doch irgendwas war anders. Aber Aimee konnte unmöglich sagen, was. Sie wandte den Blick von der unheimlichen Statue ab und rannte davon.
Nach der Schule ging sie extra einen Umweg durch den Park, um nicht an der Statue vorbeizumüssen. Es war zwar albern, aber irgendwie machte die Statue Aimee Angst.

Text// Pamina Kollien

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