Mittwoch, 3. Mai 2017

Die Geschichte vom kleinen schwarzen Affen in der Wüste


Eine weitere Wunschgeschichte für meine Großeltern in Teenagerzeiten ist diese hier, über den kleinen schwarzen Affen in der Wüste. :)

In Afrika wurden einmal drei Affenbabys auf die Welt gebracht. Sie besaßen rotbraunes Fell, bis auf eines, das rabenschwarz war. Die Mutter nannte den Schwarzen Swart, was afrikanisch ist und nichts anderes als schwarz bedeutet. Der kleine Affe hatte eine sehr glückliche Kindheit bei seiner Mutter und seinen Geschwistern, doch er wunderte sich immer wieder, warum er schwarz und nicht rotbraun war. „Manche Affen haben eben eine andere Fellfarbe“, versuchte seine Mutter ihm zu erklären, als Swart sie danach fragte. „Jeder ist ein bisschen anders. Du eben ganz besonders.“ Darüber musste er öfters mal nachdenken. Als er erwachsen war und bei einigen anderen Affen lebte, fielen ihm die Worte der Mutter wieder ein. So griff er sich eine Banane und zog sich in einen Baumwipfel zurück. Als er die Spitze des größten Baums seines Zuhauses erklomm, sah er in der Ferne eine Ebene, die kein Ende zu haben schien. So oft war der Affe auf diesen Baum geklettert und hatte in die Ferne geblickt. Doch jetzt, als er sah, dass auf der Ebene etwas schwer Erkennbares, Weißes stand, packte ihn ganz plötzlich die Abenteuerlust. Er wollte sich das geheimnisvolle Etwas mal genauer ansehen. Noch in derselben Nacht verließ der Affe den afrikanischen Wald und betrat die baumlose Steppe, die sich im Mondlicht vor ihm erstreckte. Nun stellte er fest, wie riesig das weiße Ding, was er gestern gesehen hatte, war. Vorne hatte es einen weißen Propeller, der sich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit drehte; es hatte zwei weiße riesige Flügel und kleinere, kreisförmige Füße. Ein wenig unheimlich fand Swart dieses Ding schon und er überlegte, ob das ein riesiger Vogel wäre. Merkwürdigerweise bewegte sich der Vogel aber überhaupt nicht und deshalb beschloss Swart, einmal in das Loch in der Seite reinzuschlüpfen. Drinnen befanden sich ein paar Polster, die so einladend aussahen, dass der kleine Affe beschloss, ein kleines Nickerchen zu machen. Nach geraumer Weile erwachte er von einem heftigen Rumpeln, Piepstönen und lauten Stimmen. Menschenstimmen! Der Affe bekam es plötzlich mit der Angst zu tun und sah sich erschrocken um: Er befand sich immer noch in dem Riesenvogel, nur dass dieser sich bewegte. An den kleinen, runden Fenstern zogen Wolken vorbei und es war hellblauer Himmel zu sehen. Als Swart einen Blick aus dem Fenster warf, wurde ihm klar, dass der Riesenvogel mit ausgebreiteten Schwingen durch die Luft segelte, weit weg vom Erdboden. Das Herz des Affen begann heftig zu pochen vor Angst und Aufregung zugleich. Aus dem Vorderteil des Riesenvogels waren Menschenstimmen zu hören, doch in dem Raum mit den Polstern war Swart allein. Bis zur Landung kam es ihm wie eine Ewigkeit vor, doch dann war er erleichtert, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Er verlor keine Zeit und schlüpfte durch den Eingang, durch den er hineingekommen war, sobald es ihm möglich war. Da, wo er sich befand, war Sand, nichts als heißer Sand, der von der Sonne angewärmt worden war und zwischen seinen Zehen hängen blieb. Er rannte und rannte, weit weg von dem unheimlichen Ding, das ihn hierher transportiert hatte. Weit und breit war kein Baum zu sehen, auf den er hätte klettern können, und somit auch keine einzige Banane oder Kokosnuss, die seinen Hunger stillen könnte. Es gab nur Sand und Steine, soweit das Auge reichte. Irgendwann ließ er sich erschöpft in den Sand fallen und blieb bis zu dem Einbruch der Nacht liegen. Dann erhob er sich, um weiter und weiter durch die schier endlose Wüste zu wandern. Er wusste nicht, wohin, und doch hoffte er, dass irgendwas dort in der Ferne war, was ihn von diesen Massen von Sand erlöste. Der Mond leuchtete ihm den Weg und Swart blickte hoffnungsvoll in die Ferne, sah aber nur Sand und Finsternis. Doch plötzlich konnte er noch etwas erkennen: Ein imposantes, viereckiges Gebäude aus mehreren Steinen mit einer Spitze. Es war eine Pyramide. Dieser Anblick gab dem Affen Kraft, sodass er schneller und schneller wurde. Noch vor dem Morgen war er dort angelangt. Still und einsam lag die Pyramide vor ihm, umgeben von Sand. Swart hatte sich noch nie in seinem Leben so einsam und verlassen gefühlt wie jetzt.
„Hallo, wer bist du denn?“
 Diese Stimme kam ihm wie ein Wunder in all dieser Einsamkeit vor und er drehte sich langsam um, um zu sehen, wer da gesprochen hatte. Ein schwarzer Affe, ungefähr so groß wie er, hockte neben ihm, mit einem Bund Bananen in der Faust, die er Swart überreichte. Hungrig machte sich Swart über das leckere Essen her, während er sich vorstellte. „Ich heiße Swita“, verkündete die Affendame freundlich und biss ebenfalls in eine Banane. „Du siehst so aus wie ich. Also musst du ein Affe sein.“ „Du hast auch schwarzes Fell wie ich“, meinte Swart verwundert und musterte Switas Fell. „Ich habe sonst noch nie einen Affen mit schwarzem Fell gesehen.“ Es machte ihn richtig glücklich, jemanden gefunden zu haben, der mit ihm so viel gemeinsam hatte. „Wo hast du die Bananen her?“, wollte er dann wissen, während er sich erneut eine griff. „Ich zeige dir es“, erwiderte die Affendame und kletterte auf die Steine der Pyramide. Sie führte ihn zu einer Nische in den Steinen, von der ein kleiner Pfad durch die Pyramide ging. Smart überlegte, ob sie hier einen Vorrat an Bananen lagerte, doch dann erblickte er einen kleinen, unterirdischen Bach. In der Decke aus Steinen darüber befand sich ein großes Loch, sodass Licht auf das Wasser fiel. „Das ist das Geheimnis“, erklärte Swita und deutete ans Ufer des Bachs, an dem Bananen- und Kokospalmen standen. „An dieser Stelle hat sich glücklicherweise sehr viel Wasser angesammelt. Wo Wasser ist, ist Leben.“ Swart war sehr fasziniert von der Behausung seiner neuen Freundin. Er dachte an all die Einsamkeit in der weiten Wüste und spürte, wie glücklich er hier war. Umzukehren wäre sowieso ein großes Wagnis. Also blieb er und zwar für immer. Er wohnte mit Swita an dem Bach, kletterte täglich auf den Kokospalmen herum und eines Tages auch mit einer Schar kleiner Affenkinder. Sie waren allesamt schwarz, bis auf eines, das rotbraun war. Als Swart bemerkte, dass seine rotbraune Tochter sich über ihre Fellfarbe, die so anders als die anderen war, wunderte, sagte er liebevoll: „Jeder ist ein bisschen anders. Du ganz besonders. Und weißt du, weit weg von hier gibt es noch andere rotbraune Affen.“                                                                                           
Text// Pamina Kollien                               

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